Im Oktober 2024 wurde die 19. Shell Jugendstudie veröffentlicht. Diese Studie untersucht seit 1953 die Lebenswelt von Jugendlichen in Deutschland und beleuchtet deren Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen. Inzwischen hat sich die Studie als Bestandteil einer umfassenden Sozialberichterstattung etabliert und wird in Fachkreisen als Referenzwerk wahrgenommen. Herausgeber ist Shell Deutschland.
Die Studie erscheint alle vier bis fünf Jahre, seit dem Jahr 2002 wird sie von einem Wissenschaftlerteam um die Universität Bielefeld gemeinsam mit Verian (zuvor als TNS Infratest Sozialforschung bzw. Kantar Public) durchgeführt. Sie besteht aus einer persönlich-mündlich durchgeführten Repräsentativerhebung der 12- bis 25-jährigen Bevölkerung in Deutschland und wird ergänzt durch 20 qualitative Interviews mit Jugendlichen der gleichen Altersgruppe. Die aktuelle 19. Shell Jugendstudie 2024 wird von Prof. Mathias Albert und Prof. Gudrun Quenzel geleitet.
Die aktuelle 19. Shell Jugendstudie knüpft an den Trends vorangegangener Ausgaben an und analysiert, wie sich gesellschaftliche Strömungen und die aktuellen krisenhaften Veränderungen in den Lebenswelten der Jugendlichen niederschlagen: Wie wächst die Generation der 12- bis 25-Jährigen heute in Deutschland auf? Welche Rolle spielen Familie und Freunde, Schule und Beruf, Digitalisierung und Freizeit? Wie stehen junge Menschen zu Politik, Gesellschaft und Religion?
Einige zentrale Ergebnisse der 19. Shell Jugendstudie 2024
- Die derzeitigen Kriege und weltpolitischen Spannungen haben deutliche Spuren bei den jungen Menschen hinterlassen: Die Angst vor einem Krieg in Europa (81%) und die Sorge um die wirtschaftliche Lage und steigende Armut (67%) machen den Jugendlichen am meisten Angst. Zugleich haben immer weniger junge Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit oder davor, keinen Ausbildungsplatz zu finden (35%).
- Das politische Interesse der Jugendlichen ist in den letzten gut 20 Jahren kontinuierlich gestiegen. 50% der 12- bis 25-Jährigen bezeichnen sich als politisch interessiert (2002 waren es 30%) und 51% informieren sich aktiv über Politik. Parallel stieg die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren von 22% im Jahr 2002 auf 37% im Jahr 2024.
- Die politische Selbstpositionierung der Jugendlichen im Vergleich zur letzten Studie im Jahr 2019 ist insgesamt stabil, Jugendliche stufen sich im Durchschnitt als leicht links ein. Im Vergleich zu 2019 ist allerdings bei den jungen Männern der Anteil derer, die sich als eher rechts bezeichnen, angestiegen. Dies ist bei den jungen Frauen nicht der Fall, bei ihnen hat umgekehrt der Anteil derjenigen, die sich als politisch eher links verorten, zugenommen.
- Ein Teil der Jugendlichen (12%) kann als politisch verdrossen beschrieben werden, diese jungen Menschen sind durch Populismus erreichbar und äußern sich kritisch gegenüber Staat und Gesellschaft. Sie sehen sich als benachteiligte Modernisierungsverlierer und positionieren sich konträr zu allem, was pluralisierten Lebensstilen entspricht.
- Die Mehrheit der Jugendlichen steht positiv zu Staat und Gesellschaft und sieht große Zukunftschancen. Das für den deutschen Sozialstaat zentrale Leistungs- und Gerechtigkeitsversprechen sowie das Vertrauen in den Fortschritt sind aus ihrer Sicht weitestgehend intakt. 76% glauben, dass Deutschland ihnen alle Möglichkeiten bietet, ihre Lebensziele zu verwirklichen.
- Klimaschutz bleibt ein zentrales Thema für die Jugendlichen. 57% sind der Meinung, dass alle ihren Lebensstandard zugunsten von Klima und Umwelt einschränken sollten.
- Jugendliche streben nach Sicherheit und hohem Einkommen. 91 % ist ein sicherer Arbeitsplatz wichtig, und 83 % wünschen sich ein hohes Einkommen.
- Die digitalen Möglichkeiten werden von den Jugendlichen weiterhin vielfältig genutzt. Auch die Nutzung von digitalen Kanälen zur politischen Informationsbeschaffung hat deutlich zugenommen.
- Gute Freunde und stabile Beziehungen sind für die Jugendlichen von höchster Bedeutung. 71% der Jugendlichen möchten später Kinder haben. Die Vorstellungen zur Aufteilung der Erwerbsarbeit in Partnerschaften haben sich leicht in Richtung einer egalitären Aufteilung verschoben.
Die Studie stieß auch im politischen Raum auf große Resonanz. Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Lisa Paus: "Um gute Kinder- und Jugendpolitik zu machen, ist es wichtig, die Perspektiven und Bedürfnisse junger Menschen zu kennen. Die 19. Shell Jugendstudie zeigt uns: Obwohl junge Menschen aktuell in sehr krisenhaften und kriegerischen Zeiten aufwachsen, bleibt die Mehrheit zuversichtlich. Junge Menschen sind politisch interessiert und wollen sich einbringen. Hier setzen wir beispielsweise mit dem von mir initiierten Bündnis für die junge Generation an. Indem wir junge Menschen ernst nehmen, ihnen zuhören und sie stärken. So verlieren wir auch die Kinder und Jugendlichen nicht aus dem Blickfeld, die weniger optimistisch in die Zukunft schauen. Es ist unser Ziel: politisches Handeln verlässlich an den Interessen künftiger Generationen auszurichten. Damit Kinder- und Jugendliche nicht müde werden, sich für unsere Gesellschaft zu engagieren."
Veröffentlichungen/Pressemitteilungen
- Bundespressekonferenz
- Zusammenfassung der Ergebnisse
- Mathias Albert, Gudrun Quenzel, Frederick de Moll, Ingo Leven, Sophia McDonnell, Anna Rysina, Ulrich Schneekloth, Sabine Wolfert (2024): 19. Shell Jugendstudie 2024. Pragmatisch zwischen Verdrossenheit und gelebter Vielfalt – Jugend 2024. Weinheim und Basel: Beltz Verlag
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